Skandinavien 2014 – Teil 6 (Finnland)

Laaaaaaangweilig!

Samstag, 06.09.2014

Das war es nun also, das bislang weiteste Auswärtsspiel einer Sportmannschaft, zu der ich gereist bin. Knapp 2.000 km nördlich von Hamburg, und dabei lautet der Vereinsslogan doch: “Der Norden sind wir!”.

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Sonnenaufgang über Luleå

Nach einer sehr kurzen Nacht (wir beiden Männer waren gestern nach dem Spiel mit einigen Heimfans noch ein wenig feiern gegangen) heisst es heute sehr früh aufstehen. Gute 800 km müssen wir bis morgen um 15 Uhr zurücklegen, denn dann beginnt das zweite CHL-Spiel in Rauma.

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Auf nach Finnland

Um acht Uhr sind wir bereits auf der Autobahn Richtung Finnland, zwei Stunden später erreichen wir die bemerkenswert unspektakuläre Grenze zwischen EU und Nicht-EU. Obwohl die Grenze nur aus einem Hinweisschild besteht und es keinerlei Grenzkontrollen gibt, kostet uns der Grenzübertritt eine ganze Stunde.

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Grenze Schweden-Finnland

Finnland befindet sich nämlich in der “Osteuropäischen Zeitzone”, während sich Schweden und Deutschland wie der Großteil Europas in der “Mitteleuropäischen Zeitzone” befinden. Somit ist Finnland unserer Zeit voraus und wir müssen die Uhren eine Stunde weiterdrehen.

Nicht nur zeitmäßig stellt Finnland eine Art Kuriosum innerhalb der EU dar, auch sprachlich. Verwandt ausschließlich mit dem Ungarischen und mit einer Bevölkerung, deren Fremdsprachenkenntnisse zumindest im nördlichen Landesteil nicht gerade ausgeprägt zu sein scheinen, ist selbst eine Pizzabestellung für uns eine kleine Herausforderung:

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Lecker ist es trotzdem

Ach ja, nachdem wir inzwischen dreierlei Kronen in unseren Portemonnaies haben, ist es recht angenehm, an einem der entferntesten Punkte unserer Reise wieder mit heimischem Geld bezahlen zu können, obwohl sich das plötzlich irgendwie ungewohnt anfühlt.

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Laaaaangweilig!

Die Straßen in Finnland kommen uns hingegen seit Schweden vertraut vor. Sie sind mindestens genauso eintönig, bloß noch etwas gerader. Im Durchschnitt zehn Kilometer, bis eine sanfte(!) Links- oder Rechtskurve folgt, welche wiederum in einen kilometerlangen geraden Abschnitt übergeht. Das “Automuseum” am Wegesrand bietet wenigstens eine kleine Abwechslung.

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Automuseum bei Peltokorpi

So ganz fertig zu sein scheint es jedoch noch nicht – oder im September ist die Saison schon vorbei und es geht an die Wintervorbereitungen.

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Verdeckte Oldtimer

Gegen 20 Uhr erreichen wir Vaasa, wo wir den örtlichen Campingplatz verlassen vorfinden. Die Saison ist vorbei, ein Schild erlaubt jedoch das Benutzen bis Ende des Monats und bittet um eine kleine Spende in den Briefkasten. Dafür hat man sogar ein einzelnes Sanitärhaus geöffnet gelassen.

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Kein Kind weit und breit

Der Platz liegt direkt am Meer, im Sommer wird er sicherlich genauso boomen wie der Platz in Luleå. Leider hat es sich unter den Mücken noch nicht herumgesprochen, dass der Platz bereits offiziell geschlossen ist, sodass wir unser Essen kurzzeitig in ein geöffnetes Küchenhaus verlegen.

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Sonnenuntergang über der Ostsee

Maalaisranskalaiset in Rauma

Sonntag, 07.09.2014

Um acht Uhr klingelt der Wecker, wir müssen noch 250 km bis nach Rauma zurücklegen und das Spiel beginnt um 16 Uhr. Es ist kühl und feucht draußen, also fällt der Abschied nicht schwer.

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Erstmal ein’n Pilz

Unterwegs zieht stellenweise Seenebel von der bis zu einem Kilometer entfernten Ostsee bis zur Küstenstraße mit der Nummer 8 herüber. Unweigerlich müssen wir an “The Fog – Nebel des Grauens” denken.

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The Fog

Ohne Nebel offenbart sich das komplette Grauen: Es geht wieder kilometerweit nur geradeaus durch den Wald. Gerade wenn man noch nicht ganz ausgeschlafen ist, ist das Autofahren hier nicht ganz ungefährlich.

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Immer weiter geradeaus

Interessant werden unterwegs die Straßenschilder: In dieser Region Finnlands ist der Anteil schwedischsprachiger Finnen relativ hoch, sodass auch sämtliche Ortsnamen erst auf schwedisch und dann auf finnisch abgedruckt sind. Teilweise sind gravierende Unterschiede festzustellen:

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Oben schwedisch, unten finnisch für jeweils den selben Ortsnamen.

Auf halbem Weg bis Rauma muss das Didimobil dann wieder mal tanken. Mitten im Nirgendwo erscheint wie gerufen eine Tankstelle, wo das Didimobil vollgetankt wird und sich die Mitreisenden mit etwas Proviant versorgen können.

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Tankstelle entlang der Staatsstraße 8

Unspektakulär wie die Landschaft verläuft die weitere Fahrt nach Rauma. Das Wetter ist inzwischen besser geworden, die Sonne scheint und der Himmel ist blau.

Um 12:30 Uhr erreichen wir den wunderschönen Campingplatz in Rauma und suchen uns sofort ein Plätzchen direkt am Meer, welches wir wenig später zu Gunsten eines Platzes in der Nähe des W-Lan-Hotspots an der Rezeption wieder aufgeben. Da wir am nächsten Morgen noch vor Anbruch der Dunkelheit starten müssen, werden die anderen Camper sicherlich froh darüber sein.

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Traumhafter Platz am Wasser, jedoch ohne Hotspot.

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Hier ist es auch schön.

Gegen 13 Uhr begeben wir uns auf den Weg zur Kivikylän-Arena, wo wir die vier Hamburgerinnen aus Luleå wiedertreffen. Die Vier sind übrigens mit einem VW Golf unterwegs, nächtigten in Hotels und fanden die Strecke von Schweden nach Rauma mindestens genauso langweilig wie wir.

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Eishockey-Arena in Rauma

Das Spiel verlieren die Hamburg Freezers mit satten 5-0, aber dass wir gegen Skandinavien keine Chance haben, war uns vor der Reise bereits bewusst. Über einen Ehrentreffer hätten wir acht “Verrückten” uns trotzdem gefreut.

Neben der Arena befindet sich ein Fußballstadion mit einer schicken Tribüne etc. Dort findet gerade ein Spiel statt; wir schauen es uns eine Weile vom “Gegenfelsen” aus an. Ob man wohl auf der Tribüne Eintritt zahlen muss?

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Fußballstadion mit frei zugänglicher “Felsentribüne”

Den Abend lassen wir gemeinsam bei “Maalaisranskalaiset” (finnisch für “Pommes”) im Zentrum Raumas ausklingen und gehen früh ins Bett, schließlich wird der Wecker bereits um 5 Uhr wieder klingeln, damit wir pünktlich an der Tagfähre nach Schweden und zurück Richtung Heimat sind.

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Straßencafé in Rauma