Nottingham 2014 – Teil 2: Robin Hood und das Kloster

“Links fahren!”

Dienstag, 23.09.2014

Um acht Uhr klingelt heute morgen der Wecker. Gar nicht so dramatisch, in der Heimat wäre das schon neun, also perfekte Zeit zum Aufstehen. Unser “Chefkoch” brutzelt uns eine Art “englisches Frühstück” mit Würstchen, Eiern und Speck, dazu gibt es unglaublich fluffige Brötchen.

Die Sanitäranlagen auf dem Campingplatz sind vom Feinsten, sogar mit Musik in der Dusche. Wir hätten durchaus noch eine Nacht hier verbringen können, aber heute abend soll ja das Spiel der Hamburg Freezers 350km weiter nördlich stattfinden.

Frühstück in Dover

Der Chefkoch am Werk

Um 10 Uhr machen wir uns auf den Weg, das Abenteuer “Geisterfahrer” kann beginnen. Schwieriger als die richtige Straßenseite zu finden erweist sich allerdings das Berechnen der richtigen Geschwindigkeit, denn diese steht zwar gut lesbar auf großen Schildern am Straßenrand, die Angabe erfolgt jedoch in Meilen pro Stunde anstatt den gewohnten Kilometer pro Stunde. Das Didimobil muss die Strecke über vorfahren, da es das langsamere der beiden Gefährte ist, und so bleibt Mecker über die zu hohen Geschwindigkeiten bei der erstbesten Pause nicht aus.

60mp/h x 1,604 sind grob 96km/h, also die absolute Höchstgeschwindigkeit des Didimobils. Das zweite Auto war sich jedoch sicher, der Umrechnungskurs hätte 1:1,3 betragen und somit wären lediglich 78km/h erlaubt gewesen. Die hatten einfach mal die Kurse für Geschwindigkeit und für Geld miteinander vertauscht, wodurch sich nicht nur das Gemecker legte, sondern auch Erleichterung über die berechneten Benzinpreise eintrat.

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Mautstelle an der Dartford Crossing

Der Londoner Autobahnring M25 gilt als das Nadelöhr schlechthin, kaum irgendwo in Europa soll es mehr Stau geben als dort. Wir wählen den Weg über die mautpflichtige Dartford Crossing, eine Tunnel-Brücken-Kombination zur Querung der Thamse östlich von London. Kein Stau, alles läuft reibungslos. Zum Glück habe ich eine Beifahrerin dabei, die zwar völlig verwirrt ist, dass SIE die Maut aus ihrem Beifahrerfenster zahlen soll, aber ohne Beifahrer hätte man als Linkslenker eher schlechte Karten.

Bis etwa 50km vor Nottingham nutzen wir die Autobahn, das Fahren auf der linken Seite ist dort einfacher, als man denkt, schließlich ist falsches Abbiegen mangels Kreuzungen auch auf englischen Autobahnen so gut wie ausgeschlossen. In Stamford verlassen wir die Autobahn zugunsten der A606-Landstraße. An jeder Kreuzung befindet sich ein großer Kreisverkehr, in dem die Autos mit hohem Tempo und undefinierbar blinkend in die verkehrte Richtung rauschen. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber nach ein paar Runden beginnt man, das System zu durchschauen: Augen zu und durch. Und es funktioniert in der Tat wesentlich besser als bei den deutschen Mini-Kreiseln.

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Entlang der Landstraße nach Nottingham

Die kleinen Ortschaften entlang der Strecke versprühen das erste Mal richtig englischen Charme; leider haben wir nicht viel Zeit zum Anhalten, da wir vor dem Spiel noch mit anderen Hamburger Fans verabredet sind und diese mit allen möglichen Schnäpsen versorgen müssen, da sie diese im Flugzeug nicht befördern dürfen.

Der Campingplatz Thornton’s Holt liegt etwas außerhalb Nottinghams in der Nähe von Cotgrave, eine Bushaltestelle mit regelmäßigen Busverbindungen nach Nottingham und ein günstiger und leckerer Pub befinden sich direkt gegenüber.

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The Shepherd’s Inn, Stragglethorpe

Der Campingplatz ist ein alter Bauernhof, dementsprechend einfach eingerichtet sind die sanitären Einrichtungen in einem provisorisch umgebauten Kuhstall und überall laufen gefräßige Hühner frei herum.

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Freilaufende Hühner

Wir stellen die Autos ab, schließen sie an den Strom an, ziehen unsere Fan-Utensilien an und machen uns auf den Weg. Zuerst zum Pub, eine kleine Stärkung zu uns nehmen. All-you-can-eat-Buffet für 5,-€ ist tatsächlich unschlagbar günstig und gar nicht mal so schlecht.

Der Bus bringt uns in 20 Minuten ins Zentrum Nottinghams, dort suchen wir die Schnapsbesteller auf, übergeben uns (also den Schnaps) und gehen hinterher frohen Mutes gemeinsam zur CapitalFM-Arena. Das Spiel endet völlig überraschend 3-1 für Nottingham. Wir lassen uns die Laune dadurch jedoch nicht verderben, feiern, als seien wir Welteuropameister geworden und ergattern uns so einen Platz in den Herzen der örtlichen Eishockeyfans, woraus eine nach wie vor gut funktionierende Fan-Freundschaft entsteht.

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Eisstadion “CapitalFM-Arena”, Nottingham

Der Abend wird lang, das Bier schmeckt ausgezeichnet und die Kneipenszene in Nottingham ist nicht zu verachten. Müde fahren wir mit dem Taxi heim – der letzte Bus ist längst ohne uns gefahren.

Besuch bei Robin Hood

Mittwoch, 24.09.2014

Ein wenig Kultur soll heute auf dem Programm stehen, und was verbindet man als deutscher Tourist mehr mit Nottingham, als den Sheriff und Robin Hood? Eine Autostunde nördlich von Nottingham befindet sich das Domizil vom Rächer der Armen. Sherwood Forest besteht aus einem Besucherzentrum, in dem einem die Geschichte von Robin Hood näher gebracht wird, einem Souvenirladen mit allerhand Touristen-Kitsch zu überteuerten Preisen sowie einem Rundwanderweg durch den Sherwood Forest zur Major Oak, der mächtigen Eiche, in der Robin Hood sein Hauptquartier gehabt haben soll.

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Eingangsbereich zum “Sherwood Forest”

Der Wanderweg ist schön angelegt, die teilweise hunderte Jahre alten Bäume am Wegesrand – nun ja – werden eigentlich größtenteils nur noch künstlich am Leben gehalten. Da diese alten Bäume viel, sehr viel Platz und Licht benötigen, wurden kurzerhand alle anderen Bäume niedergeschnitten, sodass von dem einstigen, der Legende nach düsteren, Wald nicht mehr viel zu erkennen ist.

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Robin Hood

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Sehr alte Bäume im Sherwood Forest

Die Major Oak ist tatsächlich ein sehr mächtiger Baum, allerdings ebenfalls bereits sehr altersschwach, weshalb er inzwischen durch mehrere künstliche Stahlträger gestützt werden muss.

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Major Oak, Hauptquartier von Robin Hood

Alles in allem ist es ein netter Ausflug, wer selber bislang noch nicht dort gewesen ist, hat jedoch nicht wirklich etwas verpasst.

Auf dem Rückweg entdecken wir noch ein Hinweisschild zu einem alten Kloster, Rufford Abbey. Die Zeit hat an der alte Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert etliche Spuren hinterlassen. Viele Teile sind inzwischen abgetragen oder eingestürzt, lediglich der Westteil des Kreuzganges sowie das Herrenhaus sind heute noch erhalten.

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Rufford Abbey

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Im alten Herrenhaus befindet sich heute ein Café.

Am Abend treffen wir uns mit einigen der ebenfalls noch in Nottingham gebliebenen Freezers-Fans auf eine kleine Kneipentour. Von einer Kneipe in einer Kirche bis hin zum (angeblich) ältesten Pub Englands ist in Nottingham eigentlich für jeden Geschmack etwas zu haben.

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Angeblich ältester Pub Englands