Albanien 2018 – Teil 2

Gemütlich durch bekannte Gefilde

Mittwoch, 18.07.2018

Herrlich, so ein komplett ausgeruhter und ausgeschlafener Morgen. Um zehn stehe ich auf und mache mich reisefertig, nicht ohne vorher noch einen Sixpack Zwickel zu kaufen. Der Junior schickte gestern ein Bild von einem nicht ganz so leckeren kroatischen Gebräu, also muss ich doch hinfahren und ihn und seinen Kumpel mit einem anständigen Bier versorgen. Somit steht das nächste Ziel fest: Split in Kroatien.

1.100 Kilometer sind es noch bis eben dort, bis in den Süden Österreichs könnte ich es heute schaffen, aber dann blieben noch immer über 500 Kilometer auf kroatischen Landstrassen übrig. Ich schreibe dem Sohn, er solle nicht vor Freitag mit mir rechnen und schon einmal schauen, ob es einen Campingplatz in der Nähe gibt.

Schloss Fantaisie

Schloss Fantaisie

Inzwischen bin ich auf dem Weg nach Linz, wo ich mich am Abend mit einem Eishockeyfreund auf ein Bier verabredet habe. 16 Uhr peile ich als Ankunftszeit an. 350 Kilometer, Google veranschlagt knapp vier Stunden ohne Autobahn.

Um 11 Uhr verlasse ich den Brauereigasthof in Hochstahl, zwanzig Minuten später sehe ich große Hinweistafeln für Busparkplätze und Ausweichparkplätze für Schloss Fantaisie (ja, mit “i” in der Mitte, ich musste auch zwei Mal hinschauen). Die Straße führt dann auch direkt an dem alten Gemäuer vorbei, ich suche mir problemlos in einer Nebenstraße einen Parkplatz und schaue mir das Schloss aus der Nähe an. Schön ist es, beherbergt allerdings ein Gartenbaumuseum und Veranstaltungsräume und auch sonst ist ausser der Bausubstanz kaum etwas original Historischen hier zu finden. Erinnert mich ein wenig an meinen Heimatort und dessen Schloss, wo ebenfalls nur die Fassade den Namen verdient.

Bayreuth ist schnell durchquert und über die B85 komme ich relativ zügig ostwärts. Unterwegs in Roding genehmige ich mir an einem gut besuchten Strassenimbiss eine der schlechtesten Currywürste, die ich je gegessen habe. Ich sollte aufhören zu glauben, dass man ausserhalb Hamburgs gut schmeckende, “richtige” Currywurst bekommt.

Passau

Passau

Fast schon zu Hause fühle ich mich, wenn ich an Passau vorbeifahre, und geniesse jedes Mal den Blick auf die hübsche Altstadt. Ich wähle wieder einmal den etwas umständlichen Weg über die kleinen Landstraßen und den weit und breit unbesetzten “Grenzübergang” Kappel-Oberkappel, um möglichen Grenzkontrollen auf der Bundesstraße zu entgehen (auf der Autobahn soll es immer noch zu Verzögerungen wegen Kontrollen innerhalb des Schengen-Raumes kommen, da nun auch die Bayerische Staatsmacht ihr eigenes Ding dreht – armes Europa!).

Gegen 17 Uhr erreiche ich den Wohnmobilstellplatz in Ottensheim-Höflein. Die Betreiberin erkennt mich sogar wieder; auf dem einfachen Platz hinter der Tennishalle steht bereits ein britisches Wohnmobil, dessen Besitzer ausgerechnet aus Sheffield, dem Erzrivalen unserer Eishockeyfreunde aus Nottingham, kommen. :O

Wandmalerei in Ottensheim

Wandmalerei in Ottensheim

Am Abend holt mich mein Eishockeykumpel am Didimobil ab. An der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr Höflein trinken wir mit seinen Kameraden ein sehr leckeres Freistädter Märzen und ich versuche krampfhaft, den Gesprächen unter den Jungs zu folgen – vergebens. Das ist definitiv kein Deutsch. 😉 Bei leckeren Burgern, Bier und einem “roten” Williams-Birnenschnaps lassen wir den lauen Sommerabend an der Donau ausklingen.

Eine neue Alpenpassage

Donnerstag, 19.07.2018

Mir ist heiß. Zwar hat man am Nachmittag auf dem Wohnmobilstellplatz etwas Schatten durch die angrenzende Tennishalle, dafür kommt die Sonne am Morgen aus entgegengesetzter Richtung, sodass man irgendwann freiwillig von oben aus dem Bett steigt. Unten ist es angenehm kühler, und da der Kühlschrank inzwischen wieder funktioniert, gibt es erst einmal eine kühle Fritz-Orange. Ich vertrödel ein wenig Zeit im Internet auf der Suche nach einem Campingplatz für den Abend. Slowenien, oder doch noch Österreich? Oder doch schon ein paar Kilometer durch Kroatien, wobei die dortigen Campingplätze oft sehr teuer sind?

Drahtseilbrücke Ottensheim

Drahtseilbrücke Ottensheim

Um zehn fahre ich einfach mal los. Mein Hockeykumpel hatte mir gestern die Ottensheimer Drahtseilbrücke gezeigt. Hierbei handelt es sich um eine Gierseilfähre, welche mit einem über der Donau hängenden Drahtseil verbunden ist und die Strömung des Flusses als Antrieb nutzt. Klingt spannend, und so beginnt die heutige Tagesetappe mit dem Übersetzen über die Donau mit der Ottensheimer Drahtseilbrücke für 5,50€ für Didi und das Didimobil.

Die Ottensheimer Drahtseilbrücke "hängt" an einem über die Donau gespannten Stahlseil.

Die Ottensheimer Drahtseilbrücke “hängt” an einem über die Donau gespannten Stahlseil.

Bulli auf der Ottensheimer Drahtseilbrücke

Bulli auf der Ottensheimer Drahtseilbrücke

Nach rund fünf Minuten ist das gegenüberliegende Ufer erreicht. Passender Weise heisst der Ort dort “Ufer”, damit man sofort weiss, dass man wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Ich fahre erst einmal Richtung Süden durch die westlichen Linzer Vororte, überquere Traun, Krems und Steyr, bevor ich nach Überqueren der Enns auf die Eisenstraße B115 treffe. Dieser folge ich in südlicher Richtung immer entlang der wunderschönen Enns.

Eisenstrasse B115 und die Enns bei Losenstein

Eisenstrasse B115 und die Enns bei Losenstein

B115 Eisenstrasse und Enns bei Hieflau

B115 Eisenstrasse und Enns bei Hieflau

Die Eisenstrasse B115 lässt sich mit einem Bulli hervorragend fahren. Sie ist gut ausgebaut, hat wenig Verkehr und weist nur sehr geringe Steigungen auf. Und die Landschaft ist grandios. Rund eine Stunde dauert die Fahrt entlang der Enns bis Hieflau. Hier verlässt die Eisenstrasse das Tal der Enns und steigt im sehr engen Tal des Eisenbaches entlang der Erzbergbahn nach Eisenerz an.

Erzberg in Eisenerz

Erzberg in Eisenerz

Das markanteste Wahrzeichen des 4.000-Einwohner-Ortes Eisenerz in der Steiermark dürfte der namensgebende Erzberg sein. Seit dem 11. Jahrhundert wird hier Erz abgebaut, heute ist der Erzberg in Eisenerz der größte Eisenerztagebau Mitteleuropas und das wichtigste wirtschaftliches Standbein in einer ansonsten eher strukturschwachen Region.

Sankt Oswald Kirche, Eisenerz

Sankt Oswald Kirche, Eisenerz

Interessant scheint der Ort auf jeden Fall zu sein, und ich werde ihn auf meine “To-Do”-Liste setzen. Heute liegen noch rund sechs Stunden Fahrt vor mir, und ich möchte möglichst weit kommen. Die Zeit ist mal wieder viel zu knapp, zumal ich mit dem 10. August erneut einen Zwangspunkt habe, um wieder in der Heimat zu sein.

Eisenerz, im Hintergrund die Brücke der B115

Eisenerz, im Hintergrund die Brücke der B115

Bei der Ausfahrt aus Eisenerz blickt man auf eine kühne Brückenkonstruktion am Berghang. Was zuerst den Anschein macht, als handele es sich um eine Eisenbahntrasse oder eine Autobahn, stellt sich bald als neue Streckenführung der B115 hinauf zum 1.225 Meter hohen Präbichl-Pass heraus. Das mit gut zehn Prozent Steigung steilste Stück der Eisenstrasse (nach der Südrampe mit rund 15 Prozent, aber die muss das Didimobil heute ja bloß hinunter…) bietet tolle Ausblicke auf den Ort und den Erzberg.

Durch die Industriestadt Leoben gelange ich nach Bruck an der Mur. Hier ist für das Didimobil erst einmal Schluss. Die Einödstraße durch das enge Tal der Mur ist wegen Bauarbeiten gesperrt, eine Umleitung verweist direkt auf die mautpflichtige Schnellstrasse S35. Einen Hinweis, ob die Mautpflicht wegen der Umleitung aufgehoben ist, gibt es nicht. Ich fahre die Einödstraße rund 500 Meter bis zur ASFINAG Straßenmeisterei und erkundige mich dort: Nein, die mautfreie Straße sei frei und es gebe keine Bauarbeiten, davon sei den Mitarbeitern nichts bekannt. Trotz Verbotsschildern fahre ich also rund einen Kilometer entlang der mautfreien Einödstraße, bis diese dann tatsächlich gesperrt ist und aufgrund von Baumfäll- und Steilwandsicherungsarbeiten auch tatsächlich kein Durchkommen mehr ist.

Zurück in Bruck versuche ich mich an der kleinen Straße östlich der Mur, allerdings ist diese laut Beschilderung nur für Fahrzeuge mit einer maximalen Höhe von 2,60 Metern passierbar, das Didimobil misst 2,70 Meter. Da die einzige Alternative, ohne Vignette von hier weiterzukommen, ein Umweg von 80 Kilometern wäre, entscheide ich mich dazu, die Schnellstraße bis zur nächsten Ausfahrt zu nutzen (welche ebenfalls wegen der Bauarbeiten gesperrt ist). Eine gute halbe Stunde hat mich diese Odyssee gekostet. Warum können die Österreicher keine sinnvollen Umleitungen? Ein Trecker z.B. wäre vermutlich ebenfalls zu hoch für die alternative Straße und dürfte ob seiner Höchstgeschwindigkeit die autobahnähnliche Schnellstrasse ebenfalls nicht befahren…

Zurück auf der mautfreien Strasse, links die Badlwandgalerie

Zurück auf der mautfreien Strasse, links die Badlwandgalerie

Durch Graz geht es recht zügig, dafür brennt die Sonne mit voller Wucht und mit noch einmal ein paar Grad mehr als auf der Nordseite der Alpen auf das Didimobil nieder. 55 Kilometer sind es noch bis nach Slowenien. Hier im Süden Österreichs gibt es erstaunlich viele Weinberge, die man ansich nur aus dem südlichen Nachbarland kennt. Kurz vor der Grenze mache ich noch eine kleine Pause.

Österreichischer Wein

Österreichischer Wein

Ich suche mir erneut einen kleinen Grenzübergang abseits der Bundesstraßen, und auch hier habe ich Glück und es findet keine Innerschengen-Kontrolle statt. Auf der Autobahn hingegen werden die österreichischen Grenzschergen stehen und den Verkehr aufhalten, da bin ich mir sicher.

Willkommen in Slowenien

Willkommen in Slowenien

Es ist 17 Uhr, als ich Slowenien erreiche. Gegen 19 Uhr sollte ich mir einen Campingplatz suchen, so habe ich es mir vorgenommen. 15,-€ wollen die Slowenen für die Benutzung der Autobahn haben. Ich verzichte gerne und begegne lieber etlichen Störchen beim Fahren über Land. Auch, wenn ich heute vermutlich keinen Stop in Slowenien einlegen werde, so steht dieses kleine Land dennoch hoch im Kurs bei mir für zukünftige Touren.

Störche in Slowenien

Störche in Slowenien

Eine gute Stunde dauert die Fahrt über Landstrassen, bis die kroatische Grenze erreicht ist. Kroatien ist zwar Mitglied in der Europäischen Union, jedoch kein Teilnehmer des Schengen-Abkommens, sodass es hier weiterhin Grenzkontrollen gibt. An dem kleinen Grenzübergang zwischen Rogatec (SLO) und Hum na Sutli (HR) ist heute abend nichts los, ein kurzer Blick auf den Personalausweis genügt dem Grenzer und die Fahrt kann fast ohne anzuhalten weitergehen. So entspannt sollten Grenzübertritte immer sein, und deshalb bevorzuge ich die kleinen, wenig befahrenen Übergänge.

Willkommen in Kroatien

Willkommen in Kroatien

Google Maps empfiehlt mir einen Campingplatz entweder in Zagreb oder etwa 70 Kilometer weiter südwestlich bei Belavići. Ich entscheide mich für Letzteren, welchen ich gegen 21 Uhr erreiche. Ich bekomme noch einen Platz für 24,-€, das Restaurant ist noch geöffnet aber qualitativ eher gewohnt minderwertig. Kroatien, wie man es kennt. Immerhin haben sie das “gute” kroatische Bier.

Das gute kroatische Bier

Das gute kroatische Bier

Ich schreibe dem Sohn, er möge mir schon mal für morgen um 19 Uhr einen Platz auf dem Campingplatz gleich neben deren Ferienwohnung reservieren. Er ist sichtlich erfreut über die Nachricht und ich glaube inzwischen, die Entscheidung, bei ihm vorbeizufahren, war die Richtige. 🙂

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