Albanien 2018 – Teil 12: Ein Besuch in Theth

Auf Kurzbesuch in Theth Freitag, 03.08.2018 Heute heisst es langsam Abschied nehmen von dem in meinen Augen wunderbarsten Land Europas. Nach der herzlichen Verabschiedung vom Campingplatz mit dem Versprechen, bald wiederzukommen, mache ich einen letzten Zwischenstop an Luans Bar und genehmige mir einen leckeren Kaffee und ein erfrischendes Ivi. Beides … weiterlesen/continue →

Albanien 2018 – Teil 9: Wilde Wasser und neue Länder

Mit allen Wassern gewaschen Sonntag, 29.07.2018 War das eine herrliche Nacht: Nicht zu warm und kein Hundegebell. Um halb zehn wache ich auf, inzwischen hat die Sonne ihre ganze Kraft entfaltet. Ich wage mich an die Dusche, Gerüchten zufolge soll sie warmes Wasser haben. Hat sie auch, und die provisorische … weiterlesen/continue →

Albanien 2018 – Teil 8: Von Korça nach Përmet

Die schönste Landstraße Albaniens

Samstag, 28.07.2018

Guten Morgen vom Ohridsee. Müde bin ich, obwohl es über Nacht gar nicht mal so warm war, aber um die Ecke meinten mindestens zwei Straßenhunde die gesamte Nacht über ihr Revier lautstark markieren zu müssen. Wuff!

Um neun stehe ich auf, die Duschen sind herrlich warm und als ich wieder zum Didimobil komme, sitzt da ein Kaninchen im Bulli. Als es mich erblickt, flüchtet es sofort; vielleicht hätte ich vor dem Verlassen der Sanitäranlagen einen kurzen Blick in den Spiegel werfen sollen?

Meine Nachbarn kommen aus Berlin, sie sind zu Fuß, per Anhalter und mit dem Bus unterwegs durch die wunderschöne Bergwelt Südalbaniens. Ob ich sie bis Pogradeç mitnehmen könne, fragen sie. Kein Problem, aber erst einmal brauche ich einen Kaffee. Klein, schwarz, süß, und dazu den Blick auf den menschenleeren Ministrand und das blaue Wasser des Ohridsees. Herrlich, und sogar der Müll am Strand wurde heute morgen weggeräumt.

Morgens halb zehn am Ohridsee

Morgens halb zehn am Ohridsee

Gegen 11 fahren wir Richtung Pogradeç, der größten albanischen Stadt am Ohridsee und eine reine Touristenhochburg. An einer Straßenkreuzung im Zentrum der gewohnt gepflegten und sauberen Stadt lasse ich die beiden Berliner raus und suche mir einen Parkplatz direkt an der langgezogenen Strandpromenade. Eine Stunde Parken kostet einen knappen Euro; da ich heute noch weiter nach Korça (die Stadt mit dem Bier) und Richtung Süden möchte, soll mir die Stunde reichen.

Promenade in Pogradeç, Ohridsee, Albanien

Promenade in Pogradeç, Ohridsee, Albanien

Die Promenade versprüht noch den Charme des ehemaligen Kommunismus, irgendwie fühle ich mich zurückversetzt in die DDR in den 1980er Jahren, als ich mit meinen Eltern häufiger zu Besuch in Rostock und Umgebung war. Während Sarandë im Süden des Landes tiptop modernisiert ist, macht Pogradeç noch einen recht authentischen Eindruck.

Am Strand von Pogradeç

Am Strand von Pogradeç

Der Strand ist eine Mischung aus Sand und feinem Kies, allerdings fällt beim genaueren Hinsehen auch hier auf, dass viel Müll am Strand liegt und leider auch im Wasser schwimmt. Sicherlich ist das mit ein Grund dafür, dass die meisten Sonnenschirme und -liegen heute leer sind, obwohl Pogradeç zu einem der beliebtesten inländischen Urlaubsziele der Albener zählen soll.

Ein Liegenmeer wartet auf Touristen

Ein Liegenmeer wartet auf Touristen

Die touristische Infrastruktur jedenfalls ist hervorragend, wenn auch teilweise etwas in die Jahre gekommen. Verkaufsstände, Parkanlagen, Cafés, Restaurants säumen die Promenade, es gibt sogar eine betagte Wasserrutsche, Beachvolleyballfelder, Tretboote und Stranddiscotheken. In einer kleinen Parkanlage direkt hinter der Promenade gibt es Tischkicker, Schachfelder, Boulebahnen und eine Kindereisenbahn, am Ende der Promenade wartet ein alter Autoscooter auf die Jugend.

Wasserrutsche und Volleyball am Strand von Pogradeç

Wasserrutsche und Volleyball am Strand von Pogradeç

Tischkicker an der Promenade von Pogradeç

Tischkicker an der Promenade von Pogradeç

Der Autoscooter wartet auf die Jugend

Der Autoscooter wartet auf die Jugend

Nach einer Stunde begebe ich mich zurück zum Didimobil, 22°C zeigt das Thermometer an einer der glasverspiegelten Hotelfassaden. Könnte ich mir vorstellen, hier ein paar Tage Urlaub zu machen? Ja, denn es wird ansich nie langweilig, und die Umgebung bietet vielfältige Möglichkeiten. Allerdings müssen die Einheimischen die Müllproblematik rund um die Strände und den See vorher in den Griff bekommen. In der Stadt selber funktioniert es ja auch, hier ist es genauso sauber wie in den meisten anderen albanischen Städten.

Pogradeç

Pogradeç

40 Kilometer sind es bis nach Korça, Google veranschlagt 45 Minuten. Gleich südlich der Stadtgrenze von Pogradeç windet sich die gut ausgebaute Staatsstraße SH3 in sanften Kurven durch fruchtbares Ackerland, ab und zu kommt man durch ein kleines Dorf. Ich komme zügig voran und lasse mir den Fahrtwind um die Ohren wehen, so macht Reisen Spaß.

Libonik, Albanien

Libonik, Albanien

Nach rekordverdächtigen 35 Minuten erreiche ich den ersten Kreisverkehr von Korça, den eine überdimensionale Telekom-Reklame ziert. “Dieser Kreisverkehr wird Ihnen präsentiert von …” wäre vielleicht auch mal eine lukrative Einnahmequelle für die klammen Kommunen in der Heimat?

Der erste Eindruck von der 50.000-Einwohner-Stadt Korçë ist durchweg positiv: Freundliche, modernisierte Wohnblöcke und viel Grün zieren die Haupteinfallstraße in die Studentenstadt, ich folge dem Wegweiser Richtung Qender (Zentrum), von dem es genau einen einzigen gibt. Den Rest überlasse ich dem Zufall und komme an einen Kreisverkehr neben dem Busbahnhof.

Erster Eindruck von Korça

Erster Eindruck von Korça

Ich fühle mich plötzlich wie in Frankreich oder Spanien; kleine zweigeschossige Gebäude im Kolonialstil prägen die gegenüberliegende Seite des Kreisverkehrs. Ich suche mir einen Parkplatz, drei Euro für zwei Stunden möchte der emsige menschliche Parkscheinautomat haben. Dafür würde er auch besonders gut auf das Didimobil aufpassen, verspricht er. In Deutschland hätte man in dieser Lage gerade einmal eine halbe Stunde für drei Euro parken können.

Alter Basar, Korça

Alter Basar, Korça

Ich gehe zielstrebig in Richtung der kleinen Kolonialhäuser und lande unversehens auf einem kopfsteingepflasterten Marktplatz, umgeben von vorbildlich renovierten Häusern aus dem vorherigen Jahrhundert, die so gar nicht albanisch anmuten wollen. Der Alte Basar wirkt auf mich auf den ersten Blick wie ein Freizeitpark, das Spanische Viertel im Europapark vielleicht. Zahllose Cafés und Restaurants sind in den Gebäuden untergebracht. Ich bin baff und genehmige mir eine Portion bester Nudeln Arrabiata und ein erfrischendes Ivi und schaue dem Treiben auf dem Platz zu.

Alter Basar, Korça

Alter Basar, Korça

Korça ist die Kulturhauptstadt Albaniens, nirgendwo sonst gibt es eine derartige Vielfalt an Museen, Theatern, Konzerten und Kulturzentren. Rund 7.000 Studenten studieren an der Hochschule oder dem über die Landesgrenzen bekannten Kunstgymnasium.

Nach dem Essen schlendere ich weiter durch die Kopfsteinpflastergassen und warte irgendwie noch immer darauf, dass sich hinter irgendeinem Eingang die Piraten von Batavia verstecken oder Captain Jack Sparrow hinter der nächsten Ecke hervorgesprungen kommt.

Korça, Albanien

Korça, Albanien

Die französische Architektur in Korça ist für Albanien nahezu einmalig. Die wenigen Städte mit verbliebener historischer Bausubstanz weisen hauptsächlich osmanische Baustile auf, wie sie zum Beispiel in den Weltkulturerbestädten Berat oder Gjirokastra zu finden sind.

Altstadtviertel, Korça

Altstadtviertel, Korça

Ich schlendere weiter in den moderneren Teil Korças. Neben farbenfrohen sozialistischen Plattenbauten befindet sich die kleine Fußgängerzone und Haupteinkaufstraße Bulevardi Republika, an dessen nördlichen Ende sich ein brutal-futuristischer Aussichtsturm und an dessen südlichen Ende sich die bekannte Auferstehungskathedrale (Katedralja Ngjallja e Krishtit) befindet.

Korça, Fußgängerzone

Korça, Fußgängerzone

Die Orthodoxe Auferstehungskathedrale am Ende der Fußgängerzone von Korça wurde erst im Jahre 1995 erbaut, nachdem das während des Kommunismus verhängte Religionsverbot 1991 aufgehoben wurde. Bis 1967 stand an dieser Stelle die Sankt-Georgs-Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert, die jedoch von den Kommunisten unter Diktator Enver Hoxha zerstört wurde.

Ngjallja e Krishtit, Korçë

Ngjallja e Krishtit, Korçë

Zwei Stunden vergehen in dieser mehr als überzeugenden Stadt wie im Fluge, und so begebe ich mich zurück zum Didimobil. Entlang einer breiten Allee mit vielen alten, schattenspendenden Bäumen fahre ich an den Ostrand der Stadt, wo sich die örtliche Brauerei befindet. Birra Korça ist die bekannteste Brauerei des Landes und wurde im Jahre 1928 durch einen Italiener gegründet. Inzwischen braut man dort mit modernster Technologie aus Deutschland und Tschechien Pils, Ale und Schwarzbier, womit Birra Korça die einzige Brauerei auf dem Balkan ist, die diese Biersorte braut.

Birra Korça, bekannteste Brauerei Albaniens.

Birra Korça, bekannteste Brauerei Albaniens.

Da ich noch satt bin von den Nudeln auf dem Alten Basar verzichte ich auf einen Besuch im angrenzenden Biergarten und mache mich auf den Weg nach Süden. Die Staatsstraße SH75 soll eine der landschaftlich reizvollsten und abwechslungsreichsten Straßen Albaniens sein, allerdings soll ihr Zustand wie so häufig sehr zu wünschen übriglassen.

Moderne dreispurige Schnellstraße ganz allein für das Didimobil

Moderne dreispurige Schnellstraße ganz allein für das Didimobil

Ich kann mich anfangs nicht beklagen, auf einer gut ausgebauten, teilweise dreispurigen Schnellstraße komme ich zügig voran, es herrscht so gut wie kein Verkehr auf der Hauptverbindungsstraße Richtung Süden. Nach 15 Kilometern dann die Ernüchterung: Die neue Straße ist zu Ende, weiter geht es auf einer ziemlich in die Jahre gekommenen Buckelpiste. Drei Stunden veranschlagt Google für die verbleibenden 100 Kilometer, dafür hält die Straße ihr Versprechen von grandioser Natur und abwechslungsreicher Landschaft. Das folgende Video vermittelt einen minimalen Eindruck von der Langsamkeit des Reisens:

Zwanzig Minuten später komme ich an einem abgelegenen Hotel vorbei, dem Sofra Kolonjare. Ein junger Mann steht in der Ferne am Straßenrand und möchte mich anhalten. Als er das deutsche Nummernschild sieht, zieht er seinen Arm zurück, ich halte trotzdem kurz an. Er spricht nur sehr gebrochen Englisch, aber sein Moped ist liegengeblieben und er muss zur nächsten Tankstelle, Benzin holen.

SH75, Auf dem Weg nach Ersekë

SH75, Auf dem Weg nach Ersekë

Die Straße ist schlecht, ein Schlagloch reiht sich an das Nächste. Das Mofa sei eigentlich wie geschaffen für diese Straße, erzählt er, aber Tankstellen gebe es hier nur wenige. Die Region ist sehr dünn besiedelt, die Menschen leben hauptsächlich von Viehzucht und Landwirtschaft. Dennoch lebe er gerne hier, und am Wochenende fahre er mit seinem Mofa nach Korça zum Fußball, er sei großer Fan des amtierenden albanischen Meisters KF Skënderbeu Korça. Hamburg kenne er auch, da spiele der HSV sagt er freudig ohne zu ahnen, dass er gerade mit seinem Leben spielt. 😉 Ich kläre ihn auf, dass der FC Sankt Pauli selbstverständlich der bessere Verein sei und ich mich riesig auf das Derby gegen den Stadtrivalen freue, der vor einem Monat das erste Mal in der Vereinsgeschichte in die zweite Bundesliga abgestiegen ist.

Tankstelle an der Hauptstraße SH75 in Ersekë

Tankstelle an der Hauptstraße SH75 in Ersekë

Nach zwanzig Minuten erreichen wir Ersekë, den ersten Ort mit einer Tankstelle. Der junge Mann hat eine leere Flasche dabei, in die er das Benzin füllen lassen will, ich gebe ihm vorsichtshalber noch zwei weitere leere Wasserflaschen aus dem Didimobil mit. Wie er denn die 12 Kilometer wieder zurück zu seinem Mofa kommen will, frage ich ihn. Per Anhalter, das funktioniere hier immer ganz gut.

Wir verabschieden uns und wünschen uns für unsere Fußballvereine viel Erfolg für die kommende Saison. Jetzt wieder alleine durchquere ich die Kleinstadt Ersekë mit rund 3.500 Einwohnern, die größte Ansiedlung auf den 40 Kilometern seit Korça.

Ersekë, Albanien

Ersekë, Albanien

Die Hauptstraße wurde auch hier in eine Fußgängerzone umgewandelt, Wegweiser sucht man vergebens. Ich irre ein wenig durch den kleinen Ort, dessen Alleen von Pinienbäumen gesäumt werden. Es gibt einen kleinen Supermarkt, ein Krankenhaus und ein Fußballstadion für 4.000 Zuschauer, in dem der KS Gramozi Erseka seine Heimspiele aktuell in der dritten albanischen Liga austrägt.

Kapelle entlang der SH75 in der Nähe von Ersekë

Kapelle entlang der SH75 in der Nähe von Ersekë

Die Straße verläuft jetzt auf einer Hochebene rund 1.000 Meter über dem Meeresspiegel zwischen den Hängen der bis zu 2.500 Meter hohen Berge im Osten und dem Tal des Osum-Flusses im Westen.

Borova

Borova

Sechs Kilometer südlich von Ersekë durchquert die SH75 das Dorf Borovë. Bekanntheit erlangte das Dorf am 6. Juli 1943, als Soldaten der Deutschen Wehrmacht sämtliche Bewohner des Dorfes erschossen und alle Häuser dem Erdboden gleich machten. Dies war das größte Massaker, welches die Deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Albanien angerichtet hatte.

Südlich von Borova ändert sich die Landschaft, bei dem kleinen Dorf Barmash verlässt die Straße die Hochebene und windet sich in Serpentinen hinunter in einen Taleinschnitt, …

…, nur um kurz darauf in weiteren Serpentinen den bewaldeten Berghang auf der gegenüberliegenden Seite zu erklimmen:

Die Straße ist einfach ein Traum (bis auf die Schlaglöcher natürlich). Unterwegs treffe ich zwei Radfahrer. Die werden ihre helle Freude an dieser Straße haben, nach jeder Bergabfahrt lässt die nächste Steigung nicht lange auf sich warten. Dafür herrscht so gut wie kein Verkehr.

Staatsstraße SH75 zwischen Borova und Barmash

Staatsstraße SH75 südlich von Barmash

Auf den nächsten 30 Kilometern begegnet man keiner einzigen Siedlung. Zwei Hotels, jeweils mit Campingplatz, und zwei Häuser sind die einzigen Anzeichen für menschliches Leben. Die Landschaft wechselt von Nadelwald über Hochgebirge bis hin zu weiten Steppenlandschaften. Hier und da grasen Schafherden oder auch Pferde.

Schafherden

Schafherden…

Pferde sind die einzigen Lebewesen weit und breit.

… und Pferde sind die einzigen Lebewesen weit und breit.

Kurz vor Leskovik bietet sich ein herrlicher Weitblick auf ein weites Tal und hochalpine Berge, noch immer befindet man sich auf rund 900 Metern über dem Mittelmeer. In der Tat ist die SH75 eine der landschaftlich reizvollsten und abwechslungsreichsten Straßen Albaniens.

SH75

SH75

Nach 2,5 Stunden oder guten 80 Kilometern taucht die Kleinstadt Leskovik zwischen schroffen Felsen und bewaldeten Bergrücken auf. Fruchtbare Wiesen umgeben den Ort, irgendwie erinnert mich die Szenerie ein wenig an die Hochplateaus in den Anden. Jedenfalls stelle ich es mir dort so ähnlich vor.

Blick auf Leskovik

Blick auf Leskovik

Der 1.500-Einwohner-Ort Leskovik war bis 1913 ein wichtiges regionales Zentrum. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Unabhängigeit Albaniens vom Osmanischen Reich international anerkannt und viele Ländereien der lokalen Bevölkerung lagen ab da an auf der anderen Seite der neuen Grenze in Griechenland. Heute hat der Ort aufgrund seiner Randlage und schlechten Verkehrsanbindung mit Bevölkerungsrückgang durch Landflucht und Auswanderung zu kämpfen.

In Leskovik gabelt sich die Hauptstraße, laut Landkarte führt die SH75 nach Südwesten Richtung Përmet und die SH65 nach Osten Richtung Griechenland. Ein nagelneuer Wegweiser hingegen zeigt Përmet in östlicher Richtung an.

Das Zentrum von Leskovik

Das Zentrum von Leskovik

Ich folge der Straße für rund 500 Meter, habe aber das Gefühl, in die falsche Richtung zu fahren. Ich biege ab ins Zentrum der Stadt, mit Googles Hilfe suche ich die SH75. Ein Einheimischer älterer Herr winkt mich heran. Wo ich hinwolle, fragt er, woraufhin ich “Përmeti” erwidere. Nein, nach Përmet müsse man die SH65 Richtung Osten nehmen, die eigentliche Straße durch die Vjosa-Schlucht sei gesperrt. Na gut, denke ich, der sollte es ja wissen.

Nagelneue SH65 Richtung Griechenland

Nagelneue SH65 Richtung Griechenland

Die SH65 ist gefühlt kein Jahr alt, man kann förmlich noch den Asphalt riechen. Ich gleite fast lautlos die landschaftlich schöne Straße den Berg hinunter. Laut Internetberichten soll die SH75 zwischen Leskovik und Çarshovë der reizvollste Streckenabschnitt zwischen Korça und Përmet sein. Google allerdings schickt mich ebenfalls den Bogen über die SH65 anstatt den direkten Weg.

Lopë ist das albanische Wort für Kuh.

Lopë ist das albanische Wort für Kuh. Die Felsen im Hintergrund gehören bereits zu Griechenland.

Ausser einer Horde Kühe treffe ich auf den zwölf Kilometern hinunter zum Vjosa-Fluss keinen einzigen Verkehrsteilnehmer. Der Fluss selber bildet hier die Grenze zu Griechenland, sehen kann man den Vjosa-Fluss von der Straße kaum. Er fließt noch einmal rund zehn Meter tiefer in einem Canyon direkt neben der Straße. Die auf der gegenüberliegenden Seite aufragenden Felswände gehören bereits zu Griechenland.

Internationale Straße von der griechischen Grenze nach Përmet

Internationale Straße von der griechischen Grenze nach Përmet

Die Grenzübergangsstelle bei Tre Urat liegt im Dornröschenschlaf, kein einziges Fahrzeug weit und breit zu entdecken. Über eine schnurgerade Betonpiste geht es zügig weiter dem Sonnenuntergang entgegen. 32 Kilometer noch bis zum Albturist Campingplatz bei Përmet, welcher mein Etappenziel für heute werden soll. Eine knappe Stunde veranschlagt Google.

Entlang des Vjosa-Flusses

Entlang des Vjosa-Flusses

In Çarshovë ist die SH75-Straße nach Leskovik ausgeschildert. Fragt man Google hier, wird man auch dort entlang geschickt, allerdings mit dem Hinweis, dass es auf der längeren Route etwas schneller gehen soll. Ich werde es bei meinem nächsten Albanien-Urlaub mal ausprobieren.

Petran mit Vjosa

Petran mit Vjosa

Um 19.40 ist Petran erreicht, ein kleines Dorf, bei dem die Straße zu den heißen Quellen von Benji abzweigt. Vielleicht schaue ich mir die morgen einmal an, die Sonne steht bereits tief und ich möchte vor Anbruch der Dunkelheit am Campingplatz ankommen.

Der Albturist Campingplatz liegt kurz vor Përmet auf einer Wiese neben der Straße. Ausser mir steht noch ein einzelner PKW mit französischem Kennzeichen dort und eine Dänin zeltet nebenan, das Waschhaus ist provisorisch aus Holzbrettern zusammengezimmert. Kaum habe ich den Motor abgestellt, kommen ein Schaf und eine Babykatze auf mich zu. Simon heißt das Schaf, und seine Besitzerin Dona kommt sofort hinterher. 5,-€ kostet die Nacht, Strom gibt es keinen. Dafür Natur pur, und auf einen Abendspaziergang mit Simon werde ich eingeladen.

Abendstimmung an der Vjosa

Abendstimmung an der Vjosa

Ich koche mir das zweite Mal auf der Reise etwas zu essen im Didimobil, zum Glück haben meine Nachbarn ein Feuerzeug für den Gasherd, welches ich mir ausleihen darf. Auch das dritte Feuerzeug des Didimobils ist inzwischen verschwunden. Den Abend verbringe ich damit, den Sternenhimmel zu bewundern und gehe zeitig ins Bett.

Sternenhimmel über dem Didimobil

Sternenhimmel über dem Didimobil

Albanien 2018 – Teil 5: Shëngjin und die Lagune von Patokut

Einfach mal nichts tun Montag, 23.07.2018 Wie ich bereits im vorherigen Teil anmerkte, hat die Handbremse des Didimobils den Geist aufgegeben, und die normale Bremse hat seit der letzten Erneuerung im April nicht mehr die gewohnte Kraft und quietscht ganz schön. Bereits gestern abend schrieb ich daher einen Bekannten aus … weiterlesen/continue →

Balkan-Roadtrip 2016 – Teil 20: Länderhopping

Time to say Goodbye – Faleminderit Montag, 22.08.2016 Den Wecker habe ich auf halb neun gestellt. Ich krieche zur Dusche, es müssen gestern abend ein paar mehr Vodka gewesen sein. Meine polnischen Nachbarn sehen so aus, wie ich mich fühle. Abschiedsstimmung und Hangover, na klasse. Gute 2.200 Kilometer liegen vor … weiterlesen/continue →

Balkan-Roadtrip 2016 – Teil 18 (AL) Historische Orte

Das Hinterland Samstag, 20.08.2016 Es ist halb neun, die Sonne gibt bereits ihr Bestes und sorgt dafür, dass ich mal wieder ungewohnt früh aufstehe, bevor ich noch in Flammen aufgehe. Als ich von der Dusche komme, kommt mir bereits der Platzbetreiber entgegen: Seine Frau hat zum Abschied noch einen kalten … weiterlesen/continue →

Balkan-Roadtrip 2016 – Teil 17 (AL) Kultur(schock)

Die albanische Riviera – Von Hui bis Pfui

Freitag, 19.08.2016

Gestern ging das Didimobil kaputt. Die Auspuffhalterung hatte den Erschütterungen auf Albaniens Straßen nicht standgehalten und war gebrochen, was ansich nur dann auffiel, wenn man im Leerlauf fuhr bzw. einen Schaltvorgang durchführte, da der Auspuff dann massives Spiel hatte und dementsprechend klapperte.

Menschenleerer Strand in Albanien, Livadhi Beach, Himare

Strandidylle am Livadhi-Strand

Um acht Uhr habe ich ausgeschlafen, der Platz unter schattigen Bäumen sorgte für verhältnismäßig angenehme Nachttemperaturen – zumindest bei offenen Fenstern. Die Duschen im Freien machen leider einen etwas ungepflegten Eindruck, und warmes Wasser gibt es hier morgens auch noch nicht. Dafür entschädigen der noch menschenleere Strand und die schon kräftige Morgensonne.

Livadh Strand, Albanien, Himare

Morgens halb neun in Livadh

Gegen neun Uhr breche ich auf, in Himarë soll es eine Werkstatt geben. Ich finde sie natürlich nicht, stattdessen erblicke ich an einem Autowasch-Stand eine Werkstatthalle. Ich drehe um und frage, ob sich jemand das Didimobil mal anschauen könne, indem ich scheppernde Geräusche immitiere und so tue, als würde ich Auto fahren. Immerhin kenne ich inzwischen das Wort für Auto: “Machina”. Ein älterer Mann schaut sich den Bulli an und nickt. Ich solle auf die Hebebühne fahren. Mit Mühe schafft sie es sogar, das Didimobil in die Höhe zu wuchten. Wie ein Profi erblickt er die gebrochene Halterung, schraubt diese ab und bastelt aus einem Blech mit Axt, Zange und Schweißgerät innerhalb einer halben Stunde ein nagelneues Teil. Jetzt muss dieses Teil nur noch an den Auspuff geschweißt und am Bodenblech verschraubt werden.

Ersatzteil Marke Eigenbau, ich frage die ausschließlich albanisch und italienisch sprechenden Mitarbeiter, wie viel Geld sie jetzt dafür bekommen. “Nichts, alles gut, gute Fahrt.” Mein Geld wird abgelehnt, ich lasse ihnen dafür meinen letzten Sixpack Astra da.

Nebenan bepöbelt ein italienischer Luxusauto-Fahrer den Autowäscher, dass er ihn gefälligst vor den anderen beiden wartenden Fahrzeugen drannehmen soll, setzt sich bei laufendem Motor in seine klimatisierte S-Klasse und lässt sein Auto waschen, was ihm sichtlich nicht schnell genug geht. Bezahen tut er mit einem 1.000er-Schein und lässt sich das Wechselgeld passend auf 150 LEK (1,20€) herausgeben. Kein Trinkgeld, kein gar nichts. Es sind etliche Italiener hier im Süden unterwegs. Allesamt fallen sie durch eine unglaublich überhebliche und arrogante Art negativ auf. Man fährt halt hierher, weil es billig ist und man selber für ein paar Tage Kaiser von China spielen kann. Traurig, das hat dieses wunderbare Land mit diesen herzlichen Menschen absolut nicht verdient.

Küstenstraße SH-8, Albanien

Küstenstraße SH-8

Siebzig Kilometer sind es bis zu meinem heutigen Etappenziel, auf das ich mich seit Monaten freue: Ksamil. Ein kleiner Badeort mit herrlichen Sandstränden, kristallklarem Wasser, drei kleinen, vorgelagerten Inseln. Die Bilder sehen wahnsinnig toll aus, und bisher war alles, was ich zuvor auf Bildern sah, in Natura noch viel eindrucksvoller und überwältigender.

Flugboot Marke Eigenbau Albanien Roadtrip Bulli

Ein Flugboot.

Die Küstenstraße bietet immer wieder tolle Ausblicke auf die Albanische Riviera, deren verschiedene Blau- und Türkistöne einen krassen Gegensatz zur inzwischen sehr kargen Berglandschaft an Land bilden.

Ehemaliger U-Boot-Bunker bei Porto Palermo, Albanien Roadtrip

Ehemaliger U-Boot-Bunker bei Porto Palermo

VW T3 Bulli Albanien Riviera Roadtrip Freiheit

Grenzenlose Freiheit

In Porto Palermo befindet sich ein alter U-Boot-Bunker aus Zeiten des Kalten Krieges. Vom Mittelmeer aus nicht einsehbar, liegt er an einem versteckten Nordzipfel einer der vielen kleinen Buchten. Das Militärgelände ist inzwischen verfallen, der Bunker wird noch zur Stationierung von zwei Polizeibooten genutzt, die jedoch vor dem Bunkereingang vertäut sind.

Endloser menschenleerer Strand bei Borsh, Albanien

Borsh

Der Strand von Borsh ist eine Augenweide, der Ort und die Straße liegen einen guten Kilometer landeinwärts. Der breite Strand ist bisher nur spärlich bebaut; hätte ich das gewusst, wäre ich gestern bereits hierher gefahren und hätte direkt am Strand übernachtet. Hoffentlich erhält sich die Natürlichkeit dieses Ortes noch mehrere Jahre, bevor er vom Massentourismus entdeckt und mit Hotelburgen zugepflastert wird.

Camper am Strand von Borsh, Albanien

Camping am einsamen Strand von Borsh

Kirche in Lukova, Albanische Riviera

Kirche in Lukova

Landstraße SH8 Albanien Roadtrip Bulli Esel

Entlang der SH-8 nach Süden

Immer wieder passiert man kleine Ortschaften

Die nächstgrößere Stadt ist die Hafenstadt Sarandë. Das einstige Fischerdorf hat sich vor allen Dingen in den letzten 20 Jahren zu einer albanischen Touristenhochburg entwickelt, Hotels und Appartementhäuser prägen die 17.500-Einwohner-Stadt, die jedes Jahr mehr als eine halbe Million hauptsächlich inländischer Touristen anzieht.

Hauptstraße in Sarandë

Hauptstraße in Sarandë

Viele Bars, Restaurants und kleine Läden bieten eine ausgezeichnete Infrastruktur, zu der nur sechs Kilometer entfernten griechischen Insel Korfu existieren mehrmals täglich Schiffsverbindungen. Auch immer mehr Kreuzfahrtschiffe laufen inzwischen Sarandë an, meistens werden die Passagiere dann per Bus zu den bekannten Ausgrabungsstätten bei Butrint gekarrt.

Saranda, Albanien

Die touristische Infrastruktur entspricht durchaus europäischem Standard.

Kreuzfahrer Saranda Albanien

Mit Bussen werden viele Kreuzfahrer zu den historischen Ausgrabungsstätten gekarrt.

Ein wenig macht Sarandë auf mich den Eindruck einer albanischen Mischung aus Nizza, Palma de Mallorca und Benidorm. Der Verkehr hingegen ist mindestens doppelt so chaotisch wie in allen drei genannten Orten zusammen, und da ich auf Anhieb keinen Parkplatz finde, fahre ich einfach weiter. Ksamil liegt nur 12 Kilometer südlich von Sarandë, eine halbe Stunde später bin ich da.

Es ist erst 12 Uhr mittags, bis zur antiken Ausgrabungsstätte bei Butrint sind es nur vier Kilometer, und so beschließe ich, erst einmal dorthin zu fahren. Beim Durchfahren des Badeortes Ksamil wundere ich mich ein wenig über die vielen Bauruinen, verlassene Gebäude und Müll auf den Straßen, denke mir aber (noch) nichts dabei.

In Butrint endet die Straße an einer betagten Seilfähre über den Vivar-Kanal. Hier befindet sich ebenfalls ein Parkplatz für die Besucher der Ausgrabungsstätte, der bereits voll belegt ist. Etwa 200 Meter zurück Richtung Ksamil finde ich dann doch noch ein Plätzchen, sogar unter einem schattigen Baum.

Antikes Butrint

Butrint

Touristen bezahlen 700,-LEK (5,10€), Einheimische nur 300,-LEK (2,20€). Finde ich durchaus ok. Letztes Jahr zählte Butrint 100.000 Besucher, dieses Jahr (2016) strebt man die 150.000er-Marke an. Ein Wert, den die Akropolis in Athen in einem Monat erreicht.

Amphitheater Butrint

Das Amphitheater mit italienischen Touristen

Fast zeitgleich mit mir sind heute leider auch drei vollbesetzte Reisebusse mit italienischen Kreuzfahrern angekommen. Obwohl das Gelände recht weitläufig ist, trifft man immer wieder auf Italiener, die verbotener Weise auf den Mauern der Ausgrabungen rumturnen, die offiziellen Wege verlassen und selbst auf Ansprache und Anweisungen der Parkranger ganz bewusst nicht reagieren. So wirklich glücklich scheinen die Albaner aber mit den Italienern generell auch nicht zu sein, wie man unter vorgehaltener Hand ab und an hört.

Antike Susgrabungsstätte Butrint

Butrint

UNESCO Weltkulturerbe Butrint

Mosaik aus dem 2. Jahrhundert vor Christus

Butrint, Albanien

Butrint

Vivar-Kanal, Butrint, Albanien

Blick auf den Vivar-Kanal

Am beeindruckendsten sind die steinernen Überreste der Großen Basilika in der Mitte der Halbinsel Butrint. Ein großer Teil der Grundmauern sind noch komplett erhalten und lassen die Größe und Pracht dieses Gebäudes erahnen.

Die große Basilika, Butrint

Die große Basilika

Basilika Kirchenschiff Butrint

Kirchenschiff mit Kanzel

Didi Wöhrmann in Butrint

Der Blogersteller bei der Predigt. 😉

Gut eineinhalb Stunden benötigt man für den Rundgang über die Halbinsel Butrint, von deren höchsten Punkt man einen guten Blick auf weitere, zur ehemaligen Siedlung Butrint gehörende Gebäude wie eine Kirche oder die Dreiecksburg auf der anderen Kanal-Seite hat.

Orthodoxe Kirche auf der anderen Seite des Vivar-Kanals.

Orthodoxe Kirche auf der anderen Seite des Vivar-Kanals.

Auf der anderen Seite reicht der Blick über die Staße von Korfu bis zur namensgebenden griechischen Insel.

Ionisches Meer, Korfu, Albanien, Butrint

Blick auf das Ionische Meer, im Hintergrund die Insel Korfu.

Die ebenfalls antik erscheinende Seilfähre bei Burtint stellt die kilometermäßig kürzeste Verbindung von Ksamil/Sarandë ins nur wenige Kilometer entfernte Griechenland dar. Maximal vier Fahrzeuge kann der Schwimmponton zeitgleich befördern.

Seilfähre über den Vivar-Kanal, Butrint, Albanien

Seilfähre über den Vivar-Kanal

Selbstverständlich muss das Didimobil die Fähre austesten, auf der anderen Kanalseite gibt es immerhin noch ein paar antike, zu Butrint gehörende Bauten zu sehen.

Bulli auf der Seilfähre von Butrint, Fähre Albanien

Didimobil auf der Seilfähre von Butrint

Leider sind diese zwar grob in einer noch gröberen Karte verzeichnet, finden sollte ich sie dennoch nicht. Ansonsten scheint es nicht mehr viel zu geben auf der Südseite des Kanals, die nächsten beiden Orte sind wie ausgestorben, und so mache ich mich auf den Weg zurück nach Ksamil. Vielleicht kann ich ja noch ein wenig baden gehen.

Die Vögel, Alfred Hitchcock in Albanien

Alfred Hitchcock war auch schon da. 🙂

In Ksamil suche ich mir den Weg über unasphaltierte, mit Müll gesäumte Wege, vorbei an halb abgebrochenen Häusern und schuttbeladenen Grundstücken. Ein Wegweiser weist den Weg zum Ksamil Caravan Camping, einem größeren Haus mit Campingplatz im kleinen Garten. Wie eine Oase in der Wüste kommt man sich hier vor: Grün, gepflegt, sauber.

Café Frappé als Begrüßungauf dem Campingplatz in Ksamil, Albanien

Begrüßungsdrink auf dem Ksamil Caravan Camping

Ich stehe vor der Einfahrt, es sieht ziemlich voll aus. Sofort kommt ein netter Herr auf mich zu, es ist der Campingplatz-Betreiber. Eine, vielleicht zwei Nächte möchte ich bleiben. Kein Problem, er hilft mir beim Rangieren in eine enge Ecke im Schatten unter einer großen Hecke. Sieben Euro kostet die Nacht mit Strom und Wasser, und zur Begrüßung gibt es von seiner Frau einen erfrischenden Café Frappé und das WiFi-Passwort.

Völlig überlaufen: Ksamil

Ksamil

Lange ruhe ich mich nicht aus, schließlich möchte ich doch noch an den von mir so ersehnten Strand, und wenn ich freiwillig an den Strand möchte, dann muss ich mir davon schon eine Menge versprechen.

Touristenmassen in Ksamil: Nicht schön

Traumstrand unter Sonnenschirmen

Ich mache mich also auf den Weg über die staubigen Dorfstraßen vorbei an Schutt und Ruinen hinunter an den Strand. Der erste kleine Strandabschnitt ist ein Privatstrand eines Hotels sowie eines weiteren Campingplatzes, und er ist komplett überlaufen. Vor lauter Sonnenschirmen sieht man den Sand nicht mehr.

Strand von Ksamil. Völlig überlaufen. Totaler Reinfall.

Jeder Quadratzentimeter Strand ist belegt

Ich gehe die etwa einen Kilometer lange “Promenade” Richtung Zentrum hinunter. Die breite Flaniermeile mit ihren Natursteinmauern hat schon wesentlich bessere Zeiten gesehen. Sämtliche Straßenlaternen sind aus den Verankerungen gerissen und zerstört, es fehlen Steine in der Pflasterung und in den kleinen Begrenzungsmauern. Hier und da liegt Abfall herum, kaputte Flaschen, Plastiktüten, benutzte Papiertaschentücher.

Ich komme an den “Hauptstrand”, provisorische Imbissstände und kleine Strandcafés verbergen den Blick von der Promenade auf den Strand und das Meer. Die Promenade macht auch hier keinen sehr gepflegten Eindruck, auf der Landseite reihen sich weiterhin Grundstücke mit zerstörten Häusern an Schutt- und Müllhaufen. Das Wasser hingegen ist tatsächlich ein Traum, 27°C und schimmert in den schönsten Türkis- und Blautönen. Motorboote, Jetskis, Bananen uvm. sorgen für Spaß auf dem Wasser zu erschwinglichen Preisen. Einzig vom Strand ist auch hier vor lauter Sonnenschirmen nichts zu sehen. Ich habe Mühe, überhaupt das Wasser zu erreichen, die Lust am Baden ist mir inzwischen vergangen.

Komplett überlaufener Badestrand in Ksamil

Komplett überlaufener Badestrand in Ksamil

Ich bin enttäuscht. Nach über einer Woche an Orten, die in Natura alle Bilder und Fotos in den Schatten stellten, bin ich an dem Ort angekommen, der auf Bildern wie Urlaub wirkt. Die Bilder, die man sieht, sind jedoch nie in der Hochsaison aufgenommen worden. Die Bilder, die man sieht, sind Urlaubskatalogbilder, die niemals die Rückseite zeigen. Ich kehre in einem Restaurant mit Meerblick ein, lauwarme Spaghetti Bolognese für drei Euro, das Bier kostet zwei Euro und ist auch nur lauwarm. Vergleichsweise hohe Preise für miserable Qualität. Auch das kannte ich aus diesem sonst so tollen Land noch nicht.

Gepflegte Promenade in Saranda

Wesentlich angenehmer: Sarande

Was mache ich jetzt mit diesem angebrochenen Tag? Zum Weiterfahren ist es schon zu spät, den ganzen Abend im Didimobil sitzen möchte ich eigentlich auch nicht. Die Uhr zeigt sieben, ich gehe zurück zum Campingplatz und versuche im Internet Informationen zu den häufig verkehrenden Linienbussen nach Sarandë zu finden – leider Fehlanzeige.

Inzwischen ist es halb sieben. Huch? War es nicht eben schon sieben? Das Mobiltelefon spinnt noch immer, es empfängt das Zeitsignal des griechischen Netzes, und da ist es schon eine Stunde weiter. Ich frage den Campingplatzbetreiber, es ist tatsächlich erst halb sieben. Ein Taxi nach Sarandë kostet etwa 12,-€. Ich lasse mir eins rufen, mit dem betagten Mercedes 190D ist man in einer halben Stunde mitten im Gewusel der Hafenstadt. Der Fahrer gibt mir seine Nummer, ich solle anrufen, wenn ich wieder zurück möchte. In zwanzig Minuten sei er da.

Saranda bei Nacht

Saranda

Auf der gepflegten Promenade tobt das Leben, tausende Menschen sind an dem lauen Sommerabend noch unterwegs, die Bars und Restaurants gut besucht. Überall stehen Straßenkünstler und unterhalten die Leute, Händler bieten in einer Art Zeltbasar ihren Touristennepp feil.

Belebte Strandpromenade in Sarande, Albanien

Belebte Strandpromenade in Saranda

Ich schlendere über den kleinen “Basar”, von Albanienfahnen über russische Holzpuppen bis hin zu Plastikspielzeug gibt es alles, was das Touristenherz höher schlagen lässt. Ich schaue mir einige Sachen an und wundere mich. Irgendetwas stimmt hier nicht. Und dann wird es mir bewusst: Man kann hier alles, aber auch alles anschauen, in die Hand nehmen, begutachten. Und es spricht einen NIEMAND an. Kein “Looki-Looki in my shop”, kein “ich mach Dir guten Preis”. Man kann die Händler nach dem Preis fragen, man kann Fragen zu den Produkten stellen, und das einzige, was man bekommt, ist eine freundliche Antwort auf die Frage. Hach, ist das entspannend. 🙂

Die Treppe ons Nichts, Sarande, Albanien

Die Treppe ins Nichts

Vorbei am kleinen Yachthafen schlendere ich bis ans Ende der Promenade. Den “Reinfall” mit Ksamil habe ich inzwischen fast wieder vergessen. Ein Autoscooter für die Jugend, Spielplätze für die Kleineren und Maiskolben vom Grill: Auch nachts um zehn ist es noch voll, die Stimmung angenehm entspannt und ausgelassen.

Yachthafen von Saranda, Albanien

Yachthafen

Autoscooter, Saranda

Autoscooter ♥

Abendstimmung in Saranda

Auch Familien mit Kindern nutzen die tolle Abendstimmung.

Langsam schlendere ich zurück. Als ich an einer der vielen Bars vorbeikomme, wird gerade ein Platz frei. Ich bestelle mir einen Cuba Libre für 4,50€, die Mischung ist hervorragend und von dem Platz hat man einen tollen Blick auf die Promenade und die Bucht. Irgendwann setzt sich ein Kosovo-Albaner mit seiner Frau zu mir. Die beiden machen Urlaub in Sarandë, und wir reden lange und ausgiebig über Albanien, den Kosovo und die Welt. Vier Cuba Libre später ist es bereits halb eins, bezahlen darf ich keines der Getränke, schließlich sei ich Gast in ihrem Land. Und weitererzählen, wie schön es hier ist und wie freundlich die Menschen sind, das soll ich bitte unbedingt machen, wenn ich wieder zu Hause bin. Das mache ich gerne. 🙂

Cuba Libre an der Promenade von Sarande. Urlaub pur. :)

Cuba Libre

Ich rufe den Taxifahrer an. Er spricht kaum Englisch und ich noch weniger Albanisch, dennoch ist er nach zwanzig Minuten am vereinbarten Treffpunkt, obwohl die gesamte Uferstraße in einem heillosen Verkehrskollaps versinkt und der Verkehr mehr steht, als dass er rollt. Da helfen auch die wieder allgegenwärtigen, trällernden Verkehrspolizisten nichts, die jeden anpöbeln, der verkehrsbedingt zum Stillstand kommt.

Um ein Uhr falle ich doch noch zufrieden mit dem heutigen Tag ins Bett, morgen werde ich aber definitiv weiterreisen. Zeit ist knapp, und ich bin froh, aus diesem – bis auf den wirklich tollen Campingplatz – bis dato dreckigsten und heruntergekommensten Ort wieder abreisen zu können.

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