Cornwall 2017 – Teil 3

Das Didimobil in der Sackgasse

Mittwoch, 19.07.2017

Das Wetter hält leider nicht, was es gestern versprach. Zwar war die Nacht im Didimobil angenehm zum Schlafen, der Morgen empfängt uns jedoch mit tief hängenden Wolken und kühlen Temperaturen. Die Dusche ist ebenfalls noch nicht wirklich wach, jedenfalls gehört sie zu den langsamsten, die ich jemals auf den Didimobil-Touren erlebt habe.

Der ursprüngliche Plan sah für gestern noch einen Abstecher zu den rund zehn Kilometer nördlich von Newquay gelegenen Bedruthan Steps vor, aufgrund der vorangeschrittenen Zeit ließen wir diesen Programmpunkt aus und wollen ihn nun heute nachholen.

Watergate Bay

Es ist trocken, allerdings ein wenig diesig und ziemlich windig. Auf dem Weg nach Norden kommen wir in Watergate Bay vorbei und beobachten Nachwuchs-Surfer bei ihren ersten Versuchen, sich auf ihren Boarden durch die vergleichsweise flachen Wellen zu kämpfen.

Surfschule in Watergate Bay

Die bekannten Felsen der Bedruthan Steps sind nur mangelhaft ausgeschildert, und so fahren wir erst einmal an dem – wie fast überall in diesem Land – gebührenpflichtigen Parkplatz vorbei. Wenige Touristen haben sich heute morgen hierher verirrt, die Meisten sind Wanderer, die auf dem South West Coast Path, einem Wanderweg entlang der Cornischen Küste, unterwegs sind.

Bedruthan Steps

120 krumme und steile Stufen sind es hinunter zum Wasser. In zweieinhalb Stunden soll die Flut ihren Höhepunkt erreichen, wir wagen dennoch den Abstieg. Innerhalb der 20 Minuten, die wir dort unten verbringen, wird der verbliebene Strand bereits vom Wasser komplett überspült sein.

120 Stufen

Steil, unförmig und eng am Felsen anliegend

Auflaufendes Wasser

Wir sehen einen Wegweiser zu einem Café, Zeit zum Frühstücken. Als wir nach einer knappen Stunde zum Didimobil zurückkehren, ist das Wetter schlechter geworden. Der Wind hat zugenommen und von See her zieht dichter Nebel auf. Wie schnell sich das Wetter hier doch ändern kann.

Fast sieht es so aus, als käme die Sonne durch…

… während eine Stunde Später der Seenebel übers Land zieht.

Heutiges Ziel soll eigentlich der knapp 50 Kilometer entfernte Badeort St. Ives werden. Wir beschließen, erneut küstennah über kleine Dorfstraßen zu fahren. Mit dem VW könnte das erneut eine Herausforderung werden, denn schon kurz nach dem Verlassen der Hauptstraße weist ein Schild auf einen Ford hin. Von unserer Tour aus dem Jahre 2016 wissen wir bereits, dass uns dort eine Flussquerung ohne Brücke erwarten wird.

Nein, keine amerikanische Automarke

Nur rund zwanzig Kilometer südlich von hier hat es gestern ein schweres Unwetter mit einer Springflut gegeben, die einen ganzen Ort verwüstet hat. Wir sind daher skeptisch, ob das Didimobil durch die Untiefen dieses Fords passen wird. Zu unserem Erstaunen ist er jedoch komplett ausgetrocknet.

Kein Wasser im Ford.

Hinter Perranporth soll es das erste Mal in der Geschichte für das Didimobil nicht weitergehen. Ein Schild deutet darauf hin, dass die Straße für Fahrzeuge über 6″6′ Breite nicht befahrbar sei, wir kommen bei unserer Umrechnung auf einen Wert von rund zwei Metern. Das Didimobil misst 1,85m plus Spiegel, einen Versuch ist es also wert. “Unsuitable for motor vehicles”, weist kurz darauf ein weiteres blaues Schild hin – ungeeignet für motorisierte Fahrzeuge. Wir rechnen mit einem weiteren Ford auf der tatsächlich sehr engen Straße, breiter als vielleicht 2,20m ist sie nicht. Wir sind frohen Mutes, bis wir unverhofft von einem Hindernis ganz anderer Art gestoppt werden: Ein Baum ragt mit einer lichten Durchfahrtshöhe von gut zwei Metern über die Fahrbahn. Keine Chance mit dem 2,70m hohen Hochdach dort irgendwie hindurchzupassen. 🙁

Ende im Gelände: Der Baum ist zu niedrig

Wir müssen zurück. Rund 500 Meter auf einer steilen, 2,20m breiten Straße ohne Wende- oder Ausweichmöglichkeiten. Wie machen das die Einwohner hier eigentlich?

Wir müssen zurück auf die Hauptstraße. Entlang der Küste geht es vorbei am Hell’s Mouth nach Hayle. Wir überlegen, das Auto hier stehen zu lassen und mit dem Zug nach St.Ives zu fahren. Dies soll eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken Englands und die Parksituation in der Innenstadt von St.Ives katastrophal sein. Aufgrund der erneut vorangeschrittenen Zeit entschließen wir uns jedoch, das Didimobil mitzunehmen.

Hell’s Mouth mit Didimobil

Wir legen einen kleinen Zwischenstop am Strand von Porth Kidney Sands ein. Das Wasser ist bereits auf dem Rückzug und schimmert trotz grauem Himmel in karibischen Türkistönen, der Strand ist überraschend hell und feinsandig. Bei Sonnenschein muss das hier ein Paradies sein, welches man in England nicht erwarten würde.

Port Kidney Sands

Einsamer Engländer an einsamem Strand. 😉

Karibisches Farbspiel trotz grauen Himmels

Ich hatte schon einmal erwähnt, dass Engländer Bullis lieben, oder? 😉

Welch ein herrlicher Strand. Leider fängt es erneut leicht zu regnen an, sodass wir zum Didimobil zurückkehren und nach einem Campingplatz bei St.Ives Ausschau halten. Mitten in der Stadt kennt Google einen Caravan Park. Der Platz ist bereits ausgebucht, für 41,-£ ohne Strom können wir auf einem der Gästeparkplätze übernachten. Wir verzichten dankend, ein paar Kilometer landeinwärts gibt es einen weiteren Campingplatz neben einem Pub. Klingt gut, 35,-£ möchte man dort haben – immerhin mit Strom. Wir hingegen möchten nicht gleich den gesamten Platz kaufen sondern suchen nur ein Plätzchen zum Übernachten. Inzwischen regnet es in Strömen, wir versuchen unser Glück in Hayle und werden auf dem St.Ives Bay Holiday Park für 22,-£ fündig. Riesenanlage mit Schwimmbad, Bistro und Pub. Leider sind diese rund 600 Meter von unserem Stellplatz entfernt, wir sind komplett durchgeweicht als wir dort ankommen. Das Essen ist wider Erwarten besser als gedacht, und auch die gemütliche Atmosphäre im Pub lässt das Bier schmecken und das Wetter draußen vergessen.

St.Ives, Cape Cornwall und St.Michael’s Mount

Donnerstag, 20.07.2017

Der Regen hat über Nacht nachgelassen und wir werden von herrlichstem Sonnenschein geweckt. Kurz darauf kommt ein Platzwart vorbei und meint, wir hätten bis um 9 Uhr den Campingplatz verlassen müssen und ob wir noch eine Nacht bleiben wollen. Schlaftrunken willigt der Engländer ein und handelt so einen Aufschub bis um 10 Uhr heraus, andernfalls müssten wir für jede angefangene Stunde, die wir die 9-Uhr-Grenze überschreiten, 25,-£ bezahlen.

Wir überlegen tatsächlich, noch eine Nacht zu bleiben, wollen aber erst einmal die Duschen ausprobieren. Gefallen uns nicht, selbst etwas wohlbeleibtere Menschen könnten sich hier mittig unter die Dusche stellen und nicht nass werden. Also packen wir die Sachen und sehen zu, dass wir bis 10 Uhr den Campingplatz verlassen.

St. Ives

Knapp 20 Minuten dauert es bis St.Ives, wir beschließen, uns heute den Küstenort anzuschauen und dort etwas zu frühstücken. Oberhalb des Ortes befindet sich ein Großparkplatz, 4,-£ für drei Stunden. Ein Shuttlebus verbindet den Parkplatz mit der Stadt unten am Wasser. Wir sparen uns das Pfund für die Fahrt und laufen zehn Minuten zu Fuss.

St.Ives macht einen wesentlich gepflegteren und einladenderen Eindruck als Newquay.

Der erste Eindruck von St.Ives ist durchweg positiv. Gepflegt, sauber, viel Grün, keine hässlichen Betonklötze. Warum die Engländer alle Newquay bevorzugen, erschließt sich uns nicht so ganz. Durch enge Altstadtgassen und haufenweise deutsche Touristen bahnen wir uns den Weg zum Meer. Der Strand ist wahnsinnig breit, das Meer karibisch-türkis.

Bei Ebbe liegt der Hafen von St.Ives auf dem Trockenen.

Die Boote im Hafen liegen derzeit auf dem Trockenen, die Flut hat allerdings bereits eingesetzt und wird in gut vier Stunden ihren Höchststand erreichen. Bis dahin liegen Speedboote, Segelyachten und Fischerboote auf dem Sand und im Schlick fest.

Wir frühstücken in einem kleinen Lokal mit einem Balkon im ersten Stock, von wo wir das Treiben auf der Promenade und das auflaufende Wasser im Hafen beobachten können. Erste Anfragen ob unserer Gesundheit erreichen uns, da in den Nachrichten von Unwettern und Springfluten in Cornwall berichtet wird. Hier scheint die Sonne.

Altstadtgasse abseits der Touristenströme

Wir schlendern weiter, kaufen eine Postkarte für unseren Freund, den “Sohn”, und schauen den wenigen Wagemutigen beim Baden im nur 18°C kalten Wasser zu. Mit dem feinen Sandstrand und den Palmen erinnert St.Ives irgendwie so gar nicht an England, wie man es sich vorstellt.

Feiner Sandstrand in St.Ives

Blick zurück über den Hafen

Nach knapp zwei Stunden machen wir uns langsam wieder auf den Weg zum Auto, das Hafenbecken ist inzwischen fast komplett mit Wasser gefüllt und die Boote schwimmen bereits wieder. Am “Weststrand” schauen wir noch ein paar Surfern zu, bevor es unverhofft leicht zu regnen beginnt und wir mit dem Bus zurück den Berg hinauf zum Didimobil fahren.

Schöner Strandabschnitt an der Westseite der Stadt

Von oben erkennt man, dass das Hafenbecken inzwischen komplett nutzbar ist; die Wasserfarbe auch hier herrlich türkis und erfrischend.

Das Hafenbecken ist jetzt komplett unter Wasser und damit nutzbar.

Trotz zeitweiligem Nieselregen machen wir uns auf den Weg weiter die Nordküste entlang Richtung Land’s End, dem westlichsten Punkt der britischen Insel. Wir passieren die Überreste der Carn Galver Mines, einer ehemaligen Zinnmine. Generell hat Cornwall eine lange Tradition im Zinn- und Kupferbergbau und war lange Zeit weltweiter Spitzenreiter im Zinnbergbau. Inzwischen sind alle Rohstoffvorräte erschöpft, die letzte Mine Cornwalls wurde  1998 geschlossen.

Oh, ein Bulli. ♥

Garn Calver Mines

Cattle Grid

Den Abzweig zu den Botallack Mines verpassten wir – oder fanden ihn nicht, stattdessen zog ein Wegweiser zum Cape Cornwall unsere Aufmerksamkeit auf sich. Hier teilt sich der Atlantik in mehrere Gewässer: Im Süden beginnt der Ärmelkanal, im Norden der Bristol-Kanal und die Irische See. Lange Zeit wurde Cape Cornwall ebenfalls für den westlichsten Punkt Englands gehalten, bis genauere Messungen ergaben, dass Land’s End noch etwas weiter westlich liegt.

Unmittelbar vor dem Kap liegen die beiden Felsen The Brisons, welche aussehen wie Charles de Gaulle, der auf dem Rücken liegt. 😉

Cape Cornwall mit “The Brisons”.

Meine Mitreisenden verlangen mir immer alles ab. 😉

Blick zurück vom Cape Cornwall

Links der Ärmelkanal, rechts der Bristolkanal und oben die Irische See

Inzwischen ist es 15 Uhr, das Wetter scheint sich zu halten und so beschließen wir, statt weiter nach Land’s End zu fahren, den direkten Weg zum St.Michael’s Mount einzuschlagen. Gute 20 Minuten fährt man von hier bis zur Südküste Cornwalls, auf der Landkarte sieht Cornwall wesentlich größer aus, als es ist.

St. Just

St. Michael’s Mount ist die kleine Schwester des bekannteren Mount St. Michel in Frankreich und befindet sich in der Pencanze Bay im Süden Cornwalls, 366 Meter vor dem Ort Marazion. Bei Niedrigwasser ist die Insel über einen gepflasterten Weg erreichbar, bei Hochwasser pendeln kleine Boote für 2,-£ pro Person hinüber.

Sankt Michael’s Mount

“Fähren” zum St.Michael’s Mount

Inselhafen

Neben dem alles dominierenden Schloss aus dem 15. Jahrhundert befinden sich auf der Insel noch ein paar weitere Wirtschaftsgebäude sowie ein wohl sehenswerter Landschaftsgarten. Eintrittspreise im zweistelligen Pfund-Bereich sowohl für das Schloss als extra noch einmal für den Landschaftsgarten lassen uns lieber bei Kaffee und Kuchen in einem kleinen Café einkehren. Drei Stunden müssten wir hier auf der Insel verbringen, bis gegen 19:30 der Causeway, der Fußweg, durch das Wasser geöffnet wird. Durch das gesparte Eintrittsgeld leisten wir uns die Fähre zurück. 😉

St. Michael’s Mount

Kleiner Friedhof

Navigationshilfe an der Hauswand

Eine knappe Autostunde südöstlich von Marazion liegt Lizzard Point, der südlichste Zipfel Englands. Hier soll es mit Henry’s Campsite auch einen unglaublich tollen Campingplatz geben, so hat man es mir in Online-Foren mehrmals empfohlen. 26,-£ kostet die Übernachtung mit Strom, drei freie Plätze gibt es noch. Wir nehmen einen von ihnen und werden vom Chef persönlich dort hingeführt. Der Platz ist auf den ersten Blick tatsächlich etwas Besonderes: Kein Stellplatz gleicht dem Anderen, wilde Pflanzen und mit Liebe angeordnete Parzellen. Seit drei Generationen in Familienbesitz wird in Eigenregie mal hier, mal dort etwas hingebaut. Mit Hingabe, Kreativität und vor allem ganz viel Liebe. Der Engländer scheint anfangs nicht wirklich überzeugt zu sein, doch am Ende wird auch er hier nicht mehr wegwollen. ♥

Einfahrt zu “Henry’s Campsite”

Rezeption, Shop, Duschen – es mangelt an nichts. ♥

Kleines Bullitreffen mit einem T3 aus Karlsruhe

Noch mehr Bullis auf einem der schönsten Campingplätze der Welt

Noch ein Bulli

Sieht sportlich aus. 😉

Noch ein deutscher Bulli aus Unna. 🙂

Im Ort gibt es zwei Pubs. Wir essen im Ersten eine Kleinigkeit und lassen den Abend bei einem leckeren Bier im zweiten Pub ausklingen. Hier kann man seine Seele baumeln lassen und richtig ausspannen. ♥

 

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